Speichern in der Cloud 31. Dezember 2014 von John Weitzmann

Wie betreibe ich meine private Cloud?

Bild-10367

Wenn man seine Daten nicht in die Hände Dritter geben will, kann man sich eine private Cloud einrichten. Man braucht ein wenig Ahnung von Servern und Serversoftware – aber die kann man sich im Netz anlesen. Wir geben einen Überblick, was man braucht, um selbst Cloud-Betreiber zu werden.

Die Cloud als Internet-Trend ist normalerweise mit der Vorstellung verbunden, dass man seine Daten an einen großen Dienstleister weitergibt. Tatsächlich sind die allermeisten Cloud-Systeme von mittleren und großen Unternehmen entwickelt und marktreif gemacht worden und werden von diesen betrieben. Die Technik dahinter hat sich längst von der Fixierung auf kommerzielle Großsysteme emanzipiert und ist auch für einzelne Nutzer verfügbar geworden. Einige der Nachteile von Cloud-Systemen können dadurch vermieden werden, zugleich entstehen ein paar neue. Es ist jedenfalls ein Trend hin zur privaten Cloud auszumachen.

Wie betreibe ich eine private Cloud?

Wer die Kontrolle über die eigenen Daten behalten möchte und sich nicht abhängig machten möchte von großen Unternehmen, die möglicherweise auch noch im Ausland sitzen, kann sich eine eigene Cloud anlegen. Es geht aber auch selbstbestimmter – mit einer privaten Cloud. Damit gemeint ist in der Regel eine Kombination von Hard- und Software, durch die man selbst zum Betreiber eines Cloud-Dienstes für die eigenen Daten werden kann. Benötigt werden dazu grundsätzlich drei Komponenten:

  • Ein Computer, der für Dauerbetrieb ausgelegt ist,
  • eine Software, die Cloud-Funktionen bereitstellen kann und
  • ein Internet-Anschluss, über den Uploads möglich sind.

Inzwischen sind diverse Software-Lösungen für private Clouds verfügbar, auch als Open-Source-Software und kostenlos. Es befinden sich preisgünstige Endgeräte in Entwicklung, die fertig vorinstallierte Private-Cloud-Systeme darstellen und die man nur noch ans Internet anzuschließen braucht. „Freedom Box“ ist eine bekannte Initiative aus dem Umfeld der Free Software Foundation, die versucht eine solche Plug’n’Play-Software für die eigene Cloud zu entwickeln „Freedom Box“. Diese Systeme können vielerlei Cloud-Dienste bereitstellen, neben fernnutzbarem Speicher zum Beispiel auch Kalenderdienste, die übers Internet abfragbar sind.

Vor- und Nachteile

Attraktiv an einer privaten Cloud ist, dass sie fast alle Vorteile der fremd betriebenen, „großen“ Cloud aufweist und man dennoch die volle Kontrolle behält und über weit mehr Speicherplatz ohne Zusatzkosten verfügen kann als das bei kommerziellen Cloud-Speicherdiensten üblich ist. Eine private Cloud kann ebenso wie eine fremd betriebene als von überall aus erreichbarer Datenspeicher, Kalender oder privates Web-Radio genutzt werden. Je nach Konfiguration ist die Datensicherheit geringer im Vergleich zu den externen Cloudanbietern, weil weniger redundante Hardware zur Verfügung steht. Andererseits kann es in der Private Cloud keine Löschungsfehler durch andere Personen geben.

Aber die private Cloud hat auch Nachteile: Man muss sie selber administrieren, wozu noch immer einiges an technischem Sachverstand gehört (wenn auch immer weniger, aufgrund von immer nutzerfreundlicheren Lösungen). Außerdem ist zusätzliche Hardware nötig, um die man sich kümmern muss. Die Bandbreite für den Fernzugriff ist möglicherweise dadurch begrenzt, dass private Internetanschlüsse nicht für Uploads gedacht sind.

Alles in allem könnten Private-Cloud-Systeme trotzdem in den kommenden Jahren an Popularität gewinnen, vor allem für sicherheitsbewusste Nutzer. Sie beherrschen die verschlüsselte Übertragung ebenso wie den Zugriff über entsprechende Apps auf Smartphones.

Cloudsoftware für zu Hause

Wie fange ich es also an, meine eigene Cloud zu Hause aufzubauen? Owncloud ist eine Open-Source-Software, mit der man zu Hause oder auf einem Server bei einem Webspaceprovider seinen eigenen Clouddienst aufsetzen kann. Mit Owncloud kann man Dateien ablegen, um sie von verschiedenen Rechnern abzurufen. Zusätzlich gibt es eine Kalenderfunktion, die man mit anderen teilen kann, Adressbuch-Synchronisation, Textverarbeitung und vieles mehr. Die Owncloud kann man auch benutzen um seinen eigenen privaten Musikstreaming-Service zu betreiben. Es gibt Apps für iOS und Android, die ebenfalls Open-Source-Software sind.

Am autonomsten ist man, wenn man die Owncloud auf einem eigenen Rechner bei sich zu Hause installiert. Das kann ein Minicomputer wie der Raspberry Pi sein oder auch ein anderer, etwas leistungsfähigerer Rechner – je nachdem, was man damit tun möchte. Jörg Thoma hat bei Golem.de ausführliche Anleitungen geschrieben:

Der Nachteil dabei ist, dass man sich selbst um Backups und die Administration des Rechners kümmern muss. Deshalb kann man die Owncloud auch einen Webspace-Hosting-Anbieter nutzen. Damit sind die Daten zwar wieder bei externen Anbieter, aber man vermeidet, dass sie in einem geschlossenen Öko-System gefangen sind, wie bei Apple, Dropbox, Google und Co.. Außerdem kann man sich einen Anbieter aussuchen, der strengere Datenschutzrichtlinien befolgt, als die meisten US-amerikanischen Anbieter. Eine Liste mit Anbietern findet sich etwa auf der Owncloud-Seite. Inzwischen bieten aber auch alle großen Webspace-Provider Pakete an, bei denen Owncloud vorinstalliert ist.

Eine Alternative zu Owncloud bietet Seafile. Auch hier gibt es eine sehr ausführliche Anleitung bei Golem.de: Seafile-Installation in Handarbeit.

Diese Links können natürlich nur ein Anfang sein. Sichere Server, freie Software und unabhängige Hardware entwickeln sich immer weiter. Auch wenn es immer noch kein Mainstream-Feld ist, steigt mit den Enthüllungen über die Praxis der Geheimdienste und der großen Internetunternehmen bei vielen Nutzer das Interesse, datenunabhängiger zu sein.

Ergänzt am 15. Dezember 2014 von V. Djordjevic

1 Kommentar

  • 1 Tristan am 17. Jul, 2014 um 10:34

    Interessanter Artikel, der vielleicht ja noch ein paar mehr Leute zum Nachdenken anregt, wo und wie sie ihre Cloud betreiben.

    Ich selbst nutze seit einiger Zeit eine eigene Lösung, die einer Anleitung mit Raspberry Pi folgt (http://eigene-cloud-einrichten.de). Darauf ist die Owncloud installiert, eine große Speicherkarte wurde im Raspberry Pi eingelegt und dieser kann mit geringem Energieverbrauch problemlos Tag und Nacht laufen.

    Das Einrichten eines eigenen SSL-Zertifikats war auch nicht besonders schwer, sodass meine Daten auch noch verschlüsselt werden.

    Alles in allem kann ich eine solche Lösung nur empfehlen. Wem die mitunter etwas langsame Owncloud nicht so gefällt, der kann sich auch mal die Alternative Seafile anschauen.

Was sagen Sie dazu?