Cloud Computing in Behörden 18. Dezember 2012 von

E-Government: „Die Identifizierung wird entscheidend sein“

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Der E-Government-Experte Reinhard Posch rät, die europäischen Werte Datenschutz und Datensicherheit im Cloud Computing gut umzusetzen. Das könne für europäische Lösungen einen Wettbewerbsvorteil bringen. Posch rechnet damit, dass der Online-Datenaustausch mit Behörden und Verwaltungen selbstverständlich wird.

Im November nahm der Lenkungsausschuss „European Cloud Partnership Steering Board“ seine Arbeit auf. Vertreter aus Behörden beraten hier mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft, wie Cloud Computing in Europa vor allem im öffentlichen Sektor vorangebracht werden kann.

Noch sind die meisten großen Anbieter von Cloud-Diensten in den USA ansässig. Ausschuss-Mitglied Reinhard Posch, Leiter der E-Government-Plattform „Digitales Österreich“, sieht allerdings Chancen für europäische Lösungen. „Zu den europäischen Werten gehören der Datenschutz und die Datensicherheit“, sagt Posch am Dienstag im Interview mit iRights Cloud. „Wenn wir diese Werte beim Cloud Computing gut umsetzen, können europäische Lösungen sogar einen Wettbewerbsvorteil haben.“ Man wolle das Thema Cloud auf der Agenda so weit nach oben bringen, dass Europa bei der Cloud-Entwicklung „ein gewichtiges Wort mitzureden“ hat.

Identifizierung durch elektronische Ausweise

Um die Sicherheit von Cloud-Diensten im öffentlichen Sektor zu gewährleisten, hält Posch die Identifizierung über elektronische Ausweise in vielen Fällen für notwendig. „Die Infrastruktur zur elektronischen Identifizierung wird entscheidend sein für das Cloud Computing im öffentlichen Sektor“, sagt Posch. „Benutzername und Passwort reichen einfach nicht für einen sicheren Schutz vor Betrügereien.“ Es müsse eindeutig sein, wer mit wem kommuniziert.

Die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung über Nutzername, Kennwort und Ausweis wird in Österreich bereits in einigen Bereichen eingesetzt, beispielsweise bei der elektronischen Gesundheitsakte und dem Waffenregister. In Berlin kann der Bürger online sein Auto zulassen, wenn er über den neuen elektronischen Personalausweis (nPA) verfügt.

Momentan fremdeln viele Bürger noch mit dem elektronischen Identitätsausweis. Posch geht allerdings davon aus, dass die elektronische Identifikation spätestens zehn Jahren in vielen Bereichen „ganz selbstverständlich“ ist. „Auch bei der Einführung des Mobiltelefons oder des Funkautoschlüssels gab es erst mal Vorbehalte und Diskussionen, wie praktikabel das ist“, sagt Posch. „Diese Debatten sind normal.“

Anträge mit dem Smartphone stellen

Posch zufolge könnten Verwaltungen künftig Daten der Bürger aufbewahren, damit beispielsweise neue Anträge einfacher werden, und etwa über das Smartphone gestellt werden können. „Der Kunde, also der Bürger, könnte zum Beispiel persönliche Voreinstellungen vorfinden“, so Posch. „Wer sich elektronisch identifiziert hat, muss nicht alles jedes Mal von vorne ausfüllen, sondern für einen Antrag nur noch ein paar Häkchen machen.“

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