CLOUD NEWS 4. September 2013 von

VZBV: „Datenschutz darf Geld kosten” – Darf er wirklich?

Wir geben gern sofort zu, dass wir Sympathie mit der Tendenz derartiger Verkündungen haben: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) schreibt in einer Pressemitteilung, dass der Schutz persönlicher Daten im Internet „für Verbraucher in Deutschland an Bedeutung” gewinnt:

Mehr als jeder Dritte ist bereit, für mehr Datenschutz ins Portemonnaie zu greifen: 35 Prozent der Befragten würden für Internetdienste wie E-Mail oder Soziale Netzwerke zahlen, wenn sie höchsten Datenschutz bieten und werbefrei sind.

Das zeige eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid, die im Auftrag des VZBV durchgeführt wurde.

Allein: uns fehlt der Glaube.

VZBV Infografik Umfrage Datenschutz darf Geld kosten TNS EMnidWir würden sogar so weit gehen zu behaupten, dass es kaum ein besseres Beispiel für der Effekt  der „sozialen Erwünschtheit” gibt, als die vorliegende Umfrage. (Wikipedia: „Soziale Erwünschtheit liegt vor, wenn Befragte Antworten geben, von denen sie glauben, sie träfen eher auf Zustimmung als die korrekte Antwort, bei der sie soziale Ablehnung befürchten.”)

Urteilen Sie selbst. TNS Emnid fragte

Bisher sind Internetdienste, wie zum Beispiel E-Mail-Dienste oder Soziale Netzwerke, kostenfrei. Wären Sie bereit hierfür zu zahlen, wenn diese höchsten Datenschutz bieten und ohne Werbung sind?

Es ist ja schon eher ernüchternd, dass auf eine solche Frage 61 Prozent der Befragten sagten, dass es ihnen völlig Wumpe ist, ausgespäht und mit Werbung zugeklatscht zu werden ihnen Datenschutz und Werbefreiheit kein Geld wert sind. Da herrschte wohl offenbar bei den Befragten einige Unklarheit über das, was nach Ansicht des VZBV derzeit (PRISM! Tempora! Facebook! Google!) sozial erwünscht ist…

Daraus dann die Überschrift zu stricken „Weg von der Gratiskultur im Netz – Umfrage zeigt Umdenken” und zu schließen: „Das ist ein klares Signal an die Unternehmen. Geschäftsmodelle im Internet müssen nicht auf Werbung und dem damit verbundenen massenhaften Sammeln von Daten fußen”, wie es Gerd Billen tut, Vorstand des VZBV, ist zumindest, nun ja: gewagt.

Das ändert nichts kaum etwas daran, dass wir dem VZBV in seinen Forderungen zustimmen: „Nutzer müssen wissen, was mit ihren Daten passiert. Daten dürfen nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Nutzer erhoben und verarbeitet werden.” Und es in Ordnung finden, dass der VZBV die künftige Bundesregierung auffordert, nicht länger auf die Selbstregulierung des Datenmarkts zu vertrauen. Sie müsse sich in der zurzeit verhandelten Europäischen Datenschutzgrundverordnung für verbraucherfreundliche Regelungen zur Datenerhebung und -verarbeitung einsetzen.

Und auch den Hinweis auf das VZBV-Angebot www.verbraucher-entscheiden.de wollen wir nicht unterschlagen: „Die interaktive Informationsplattform  bietet Nutzern die Möglichkeit, sich vor der Bundestagswahl über die Positionen der fünf Bundestagspartien zu informieren und sie mit den eigenen Einstellungen abzugleichen. Neben digitalen Themen geht es dabei in insgesamt 15 Fragen um Finanzen, Lebensmittel, Gesundheit und Energie.”

Na, dann los und testen, welches Programm einem am besten gefällt. Aber immer schön auf unerwünschte Antworttendenzen achten!

2 Kommentare

  • 1 dahl am 4. Sep, 2013 um 12:26

    “Nutzer müssen wissen, was mit ihren Daten passiert” Wenn ich einen Server für Clouds, Mail-Dienste, Soziale Netzwerke u.ä. bereit stellen würde, hätte ich uneingeschränkten Zugang zu den Daten, die über ihn laufen. Wer seine Daten meinem Server anvertraut, muss mir vertrauen, dass ich nicht schnüffele. Wenn nun allen bekannt wäre, dass ich schnüffele, Daten sammele und ggf. weiter gebe, gibt es für meine User nur zwei Möglichkeiten: Mich zu verklagen und nachweisen, dass ich geschnüffelt habe oder das Internet abzuschalten.
    Man könnte mir auch für die angebotenen Dienste Nutzungsgebühren bezahlen, damit die Sicherheit der User-Daten sicher gestellt ist. Das wäre schick. Ich würde zusätzlich verdienen und – natürlich – trotzdem schnüffeln … denn es geht ja – das dürfen wir nicht vergessen – um Terrorbekämpfung … und hier gilt erst recht: Der Zweck heiligt die Mittel!
    Das abgehörte “Beweis”-Telefonat, dass die Syrer Giftgas eingesetzt haben, ist der neueste Beleg, der Legitimität von Lauschangriffen.
    LG DAHL

  • 2 Boris Schneider am 17. Sep, 2013 um 18:47

    Die Kunden sind bereit Geld zu zahlen, weil ihnen unklar ist, was mit den Daten passiert. Sie können an so vielen Stellen landen und niemandem ist das klar. Deshalb lieber für absolute Sicherheit zahlen, auch wenn das eigentlich eine sehr schlechte Entwicklung ist. Besser wäre Aufklärung und Netztransparenz statt sowas.

Was sagen Sie dazu?